Für viele Familien ist die Urnenbestattung heute selbstverständlich. Doch das war nicht immer so. Noch vor rund 150 Jahren war die Feuerbestattung in Deutschland ein heiß diskutiertes Thema – zwischen Kirche, Medizin, Politik und Bürgern. Ein Blick zurück zeigt, wie aus einer umstrittenen Idee die häufigste Bestattungsform wurde.
Eine uralte Tradition
Die Einäscherung selbst ist keine neue Erfindung. Schon in der Bronzezeit wurden Verstorbene in weiten Teilen Europas verbrannt und ihre Überreste in Urnen beigesetzt. Auch Griechen und Römer kannten die Feuerbestattung. Mit der Ausbreitung des Christentums setzte sich in Europa jedoch die Erdbestattung durch – für viele Jahrhunderte.
Das 19. Jahrhundert: Städte wachsen, Friedhöfe werden knapp
Im 19. Jahrhundert wuchsen die Städte rasant. Friedhöfe waren überfüllt, und Ärzte sorgten sich um die Hygiene. Gleichzeitig veränderte sich das Denken: Viele Bürger sahen in der Feuerbestattung eine moderne, saubere und vernünftige Lösung. In zahlreichen Städten gründeten sich Vereine, die sich für die Einäscherung einsetzten.
Auch die Technik machte Fortschritte. Mit neuen Öfen, die sehr hohe Temperaturen erreichten, wurde eine würdige Einäscherung überhaupt erst praktisch möglich. Eine wichtige Rolle spielte dabei die Ofentechnik der Familie Siemens.
1878: Das erste Krematorium in Gotha
Im thüringischen Gotha wurde 1878 das erste Krematorium Deutschlands in Betrieb genommen. Im Dezember desselben Jahres fand dort die erste Einäscherung statt. Gotha wurde damit zu einem Vorreiter, und Menschen aus dem ganzen Land ließen sich dort einäschern – oft über weite Wege, da es lange Zeit kaum andere Möglichkeiten gab.
In den folgenden Jahrzehnten entstanden nach und nach weitere Krematorien, etwa in Heidelberg, Hamburg und vielen anderen Städten. Oft waren sie architektonisch aufwendig gestaltet, manchmal im Stil antiker Tempel – als bewusstes Zeichen für eine würdige, moderne Bestattungskultur.
Widerstand der Kirchen
Nicht alle waren begeistert. Besonders die katholische Kirche lehnte die Feuerbestattung ab. 1886 wurde sie für Katholiken ausdrücklich verboten. Erst 1963 lockerte die Kirche diese Haltung, sodass Katholiken seitdem grundsätzlich eingeäschert werden dürfen. Auch in evangelischen Kreisen gab es lange Vorbehalte, die sich aber früher auflösten.
Gesetzliche Gleichstellung und Wandel
Im 20. Jahrhundert wurde die Feuerbestattung rechtlich der Erdbestattung gleichgestellt. Die Einäscherung verbreitete sich zunehmend, vor allem in Städten und in Regionen mit protestantischer Prägung. In den vergangenen Jahrzehnten ist ihr Anteil stark gestiegen. Heute wird in Deutschland die große Mehrheit der Verstorbenen eingeäschert.
Gründe dafür sind vielfältig: geringere Kosten, weniger Grabpflege, mehr Möglichkeiten wie Baum- oder Seebestattungen – und der Wunsch vieler Menschen nach einer schlichten, flexiblen Form des Abschieds.
Von der Urne auf dem Friedhof zur Erinnerung zu Hause
Mit der Urne kam auch eine neue Frage: Wo soll die Asche bleiben? In Deutschland gilt bis heute in den meisten Bundesländern der Friedhofszwang. Welche Möglichkeiten es dennoch gibt, erklären wir in unserem Beitrag Darf ich die Asche eines Angehörigen zu Hause behalten?
Viele Familien wünschen sich zusätzlich ein Erinnerungsstück für zu Hause. Eine schlichte Gedenkurne wie unsere Harmonia Medaillon kann so ein stiller Ort der Erinnerung sein – dort, wo es rechtlich möglich ist.
Kurz zusammengefasst
- Die Feuerbestattung ist Jahrtausende alt, wurde aber in Europa lange durch die Erdbestattung verdrängt.
- 1878 ging in Gotha das erste Krematorium Deutschlands in Betrieb.
- Die katholische Kirche verbot die Einäscherung 1886 und lockerte das Verbot 1963.
- Heute ist die Feuerbestattung in Deutschland die häufigste Bestattungsform.