Wer um sein Tier trauert, hört manchmal den Satz „Es war doch nur eine Katze“. Ein Blick in die Geschichte zeigt: Diese Trauer ist so alt wie das Zusammenleben von Mensch und Tier. Besonders eindrucksvoll zeigt das das alte Ägypten – eine Kultur, in der Katzen verehrt, geliebt und mit großer Sorgfalt bestattet wurden.
Vom Mäusejäger zum Familienmitglied
Katzen kamen wohl zunächst als nützliche Helfer in die Nähe der Menschen: Sie hielten Mäuse und Schlangen von den Getreidespeichern fern. Doch aus der Zweckgemeinschaft wurde bald mehr. Auf Wandmalereien sitzen Katzen unter den Stühlen ihrer Besitzer, tragen Halsbänder oder begleiten die Familie bei der Jagd im Papyrusdickicht.
Gleichzeitig bekam die Katze eine religiöse Bedeutung. Sie wurde mit der Göttin Bastet verbunden, einer Schutzgöttin von Haus, Familie und Fruchtbarkeit. Ihr wichtigstes Heiligtum lag in der Stadt Bubastis im Nildelta, wo jedes Jahr große Feste zu ihren Ehren gefeiert wurden.
Rasierte Augenbrauen als Zeichen der Trauer
Der griechische Geschichtsschreiber Herodot berichtete im 5. Jahrhundert vor Christus von einem Brauch, der uns bis heute berührt: Starb in einem ägyptischen Haushalt eine Katze, rasierten sich die Bewohner die Augenbrauen. Die Trauer um das Tier war damit für alle sichtbar.
Auch der Schutz der Tiere war streng. Antike Autoren berichten, dass das Töten einer Katze schwer bestraft wurde – selbst wenn es versehentlich geschah.
Ein eigener Sarg für Ta-miu
Eines der bekanntesten Zeugnisse persönlicher Tiertrauer stammt aus der Zeit um 1350 vor Christus. Prinz Thutmosis, ein Sohn des Pharaos Amenhotep III., ließ für seine Katze einen eigenen Steinsarkophag anfertigen. Die Inschrift nennt ihren Namen: Ta-miu, was sinngemäß „die Katze“ bedeutet. Auf dem Sarg ist sie vor einem Opfertisch dargestellt – so, wie man es sonst von Menschen kennt.
Der Sarkophag zeigt, dass hier nicht nur ein heiliges Tier bestattet wurde, sondern ein ganz persönlicher Begleiter, dem man ein würdiges Andenken schenken wollte.
Katzenmumien: zwischen Liebe und Opfergabe
Bekannt sind vor allem die Katzenmumien. Viele von ihnen waren sorgfältig gewickelt, manche mit aufgemalten Gesichtern versehen. Ein Teil davon waren geliebte Haustiere, die – wie Menschen – für das Jenseits bewahrt werden sollten.
Die Forschung zeigt aber auch eine andere Seite: Viele Mumien waren Opfergaben, die Pilger in Tempeln kaufen konnten. Dafür wurden Tiere eigens gehalten. Im 19. Jahrhundert fand man in Ägypten riesige Tierfriedhöfe mit Hunderttausenden Katzenmumien – von denen damals ein großer Teil achtlos als Dünger nach England verschifft wurde. Ein Umgang mit dem Erbe der Antike, der heute kaum vorstellbar ist.
Was uns die alten Ägypter heute sagen
Auch wenn sich Glaube und Rituale verändert haben, bleibt eines gleich: Menschen wollten schon immer einen Ort, an dem die Erinnerung an ihr Tier weiterlebt. Damals war es ein Sarkophag oder eine gewickelte Mumie, heute ist es vielleicht ein Foto, ein Halsband oder eine kleine Urne im Wohnzimmer – etwa eine Mini-Katzenurne für einen Teil der Asche.
Wer um seine Katze trauert, steht damit in einer Tradition, die mehr als drei Jahrtausende zurückreicht. Mehr darüber, wie selbstverständlich der Tod früher zum Alltag gehörte, lesen Sie in unserem Beitrag Memento mori.
Kurz zusammengefasst
- Katzen waren im alten Ägypten Mäusejäger, Familienmitglieder und heilige Tiere der Göttin Bastet.
- Laut Herodot rasierten sich Familien beim Tod ihrer Katze die Augenbrauen.
- Prinz Thutmosis ließ seiner Katze Ta-miu einen eigenen Sarkophag fertigen.
- Katzenmumien waren teils geliebte Haustiere, teils Opfergaben in Tempeln.