Die Regenbogenbrücke: Woher der Gedanke wirklich stammt

Die Regenbogenbrücke: Woher der Gedanke wirklich stammt

„Er ist über die Regenbogenbrücke gegangen." Diesen Satz liest man überall, wo Menschen vom Tod ihres Tieres erzählen. Fast niemand weiß, woher er kommt – und die wahre Geschichte dahinter ist überraschend.

Ein Mädchen, ein Hund, ein Notizbuch

Jahrzehntelang kursierte der Text anonym: kopiert, weitergegeben, in Tierarztpraxen ausgelegt, später millionenfach im Internet geteilt. Mehrere Menschen beanspruchten die Urheberschaft für sich, belegen konnte es niemand.

Erst 2023 löste der amerikanische Autor und Kunsthistoriker Paul Koudounaris das Rätsel. Er hatte fast dreißig Jahre lang nach der Verfasserin gesucht.

Es ist Edna Clyne-Rekhy, eine schottische Künstlerin. Sie schrieb den Text 1959, mit neunzehn Jahren, nach dem Tod ihres ersten Hundes – des Labradors Major. Er starb in ihren Armen. Am Morgen darauf riet ihre Mutter ihr, die Trauer aufzuschreiben. Edna riss eine Seite aus einem Notizbuch und schrieb den Text in einem Zug.

Sie veröffentlichte ihn nie. Sie zeigte ihn einigen Freundinnen – die weinten und baten um Abschriften. Edna tippte ihnen Kopien ab, ohne ihren Namen daraufzusetzen. Von dort ging der Text seinen Weg um die Welt.

Wie es bekannt wurde

Den Durchbruch brachte 1994 ein Leserbrief an die amerikanische Ratgeberkolumne „Dear Abby". Jemand hatte den Text von einem örtlichen Tierschutzverein bekommen und schickte ihn ein, mit dem Hinweis, die Leser sollten besser Taschentücher bereitlegen. Von da an verbreitete er sich rasant.

Als Koudounaris die damals 82-jährige Edna erreichte und fragte, ob sie die Verfasserin sei, lautete ihre erste Reaktion sinngemäß: Wie um alles in der Welt haben Sie mich gefunden? Sie besitzt das handgeschriebene Original bis heute.

Was der Text erzählt

Er beschreibt ein Land vor einer Brücke, die Himmel und Erde verbindet: Wiesen, Hügel, Sonne. Dorthin gehen die Tiere, wenn sie sterben. Die alten und kranken werden wieder gesund, sie spielen miteinander, es fehlt ihnen an nichts.

An nichts – bis auf eines: den Menschen, der sie geliebt hat. Auf ihn warten sie. Und wenn er eines Tages kommt, gehen sie gemeinsam über die Brücke.

Aus Urheberrechtsgründen geben wir den Text hier nicht wieder. Er lässt sich leicht finden, wenn Sie ihn lesen möchten.

Warum das Bild so gut funktioniert

Es tröstet, ohne etwas zu behaupten. Es verlangt keinen Glauben, keine Religion, keine Zustimmung zu irgendeiner Lehre. Es ist ein Bild – und jeder darf entscheiden, wie wörtlich er es nimmt.

Für Tierhalter leistet es außerdem etwas Bestimmtes: Es nimmt ihre Trauer ernst. In vielen Traditionen ist für Tiere im Jenseits schlicht kein Platz vorgesehen. Die Regenbogenbrücke gibt ihnen einen.

Und es verspricht kein Ende der Trennung, sondern ein Wiedersehen. Das ist ein Unterschied: Es tröstet nicht mit „Es ist nicht so schlimm", sondern mit „Es ist nicht für immer".

Woher der Regenbogen kommen könnte

Die Herkunft des Bildes selbst ist offen. Diskutiert werden mehrere Wurzeln – die Bifröst der nordischen Mythologie, die Himmel und Welten verbindet, oder der Regenbogen aus der Noah-Erzählung, der das Ende der Flut anzeigt und unter dem alle Tiere die Arche verlassen.

Edna Clyne-Rekhy selbst sagte im Gespräch mit Koudounaris, sie sei nicht besonders religiös aufgewachsen. Vermutlich ist das Bild einfach das, wonach es aussieht: der Einfall einer Neunzehnjährigen, die um ihren Hund weinte.

Für Kinder

Das Bild eignet sich gut, um Kindern den Tod eines Tieres zu erklären – mit einer Einschränkung: Sagen Sie zuerst klar, was passiert ist. Das Tier ist gestorben, sein Körper hat aufgehört zu arbeiten, es kommt nicht zurück.

Erst danach kommt das Bild: „Man kann sich vorstellen, dass sie jetzt an einem schönen Ort ist, wo nichts mehr wehtut." So bleibt die Wahrheit klar, und das Bild wird zu dem, was es ist – ein Trost, keine Erklärung.

Mehr dazu in unserem Beitrag Wie erkläre ich meinem Kind, dass unser Haustier gestorben ist?

Der Gedenktag: Der 28. August gilt als Rainbow Bridge Remembrance Day – ein Tag, an dem Tierhalter bewusst ihrer verstorbenen Tiere gedenken. Ein guter Anlass, eine Kerze anzuzünden oder ein Foto hervorzuholen.

Wenn es Ihnen nichts sagt

Manche Menschen finden das Bild kitschig oder es hilft ihnen einfach nicht. Auch das ist in Ordnung. Trost lässt sich nicht verordnen, und niemand muss sich an einer Vorstellung festhalten, die sich für ihn falsch anfühlt.

Ein Mädchen in Schottland schrieb 1959 auf, was es fühlte, weil sein Hund gestorben war. Fast siebzig Jahre später tröstet dieser Text Menschen auf der ganzen Welt. Manchmal reicht das als Antwort auf die Frage, ob Trauer einen Sinn hat. 🤍